Dienstag 9. Juli 2019 - Die Suche auf der Haifischinsel

Kaum war das heimliche Bettgeflüster in der Mädchenkajüte verstummt, bemerkte unser lieber Kapitän Neunmalklug, dass er vergessen hatte, den Anker lichten zu lassen. Kapitän Tuck und seine Leitercrew weckten uns also kurz nach zwölf noch einmal und der Anker wurde endlich hochgezogen. Da aber der Wind ausfiel und uns unsere Segel so nicht vorantreiben konnten, mussten wir an die Ruder. Schiffsmusiker Brooke gab den Takt vor, in dem wir uns unter Tucks Kommando derbe in die Ruder legten. Diese gewaltige Antriebskraft brachte unsere Véronicà auf eine Geschwindigkeit von satten 28.5 Klodeckeln pro Minute. Nun, da das Schiff mit voller Kraft in Richtung Haifischinsel segelte, konnten wir uns einen kleinen Mitternachtssnack in Form eines Kuchens gönnen.

Nach knappen, aber doch mehr oder weniger erholsamen Stunden Schlaf, wurden wir schon wieder mit Seefahrermusik geweckt. Unser Smutje meinte, dass Sport vor dem Z’Morgä unabdingbar sei und wir als Piraten doch immer fit und bereit zum Kampf sein sollten. Wir tobten uns also sportlich aus, bis wir von der Véronicà her den wundervollen Duft frischgebackener Brötchen vernahmen.

Nach Abwasch, Boden wischen und WC putzen, war es an der Zeit unsere, ehrlich gesagt doch überschaubaren, Piratenfähigkeiten auszubauen. Die Wölfe bildeten sich in einem der folgenden drei Themen weiter: Übermittlung, Kochen und Journalismus. Unsere Nachwuchsköche zauberten für uns einen Z’Mittag bestehend aus hervorragender Pizza und dem unerlässlichen Pflichtsalat. Die Übermittler beschäftigten sich mit Morsen und Geheimschriften, also mit klassischer Pfaditechnik. Beim Journalismus haben die Wölfe verschiedene Medien kennengelernt, allen voran die Abteilungszeitschrift “Seebuebe Nachrichten”, für welche sie im Anschluss eine Fotostory produzierten, die in der nächsten Ausgabe publiziert werden wird. Am Abend gab es für alle ein Spezialitäten-Abzeichen, da sie höchst engagiert und lernwillig an ihre jeweiligen Aufgaben gingen. Es gab also endlich wieder einmal etwas für auf’s Hemd.

Nach der Pizza war es Zeit, ans Ufer der Haifischinsel zu gehen. Denn wir wussten immer noch nicht genau, wo sich der Schatz befindet, sondern nur, dass er wohl auf dieser Insel versteckt wurde. In einem anstrengenden und intensiven Geländespiel im Wald, konnten wir die uns bisher unbekannte Insel erkunden. Wir konnten eine Karte mit einem fetten roten Kreuz anfertigen, mit der uns unsere Navigatorin Lady Jane sicherlich zum Schatz führen sollte.

Der lange, für manche etwas zu lange, Weg zum roten Kreuz war geprägt von Vorfreude und wir eilten immer weiter und weiter in den Wald hinein. Als wir endlich bei der Stelle ankamen, an der sich der Schatz befinden sollte, folgte die riesige Enttäuschung. An der Stelle des Kreuzes war Sja chon ein Kreuz. Allerdings kein rotes, sondern ein Grabsteinkreuz. Auf dem Grabstein war “Oswaldo” eingeritzt. Beim genaueren Hinsehen fanden wir ein Amulett. Darin lag ein Brief vom Begrabenen selbst. Er habe den Schatz aus Angst, dass er in die falschen Hände geraten könnte, an einen sicheren Ort gebracht. Deshalb wollte er, dass nur ein wahrlich guter und lieber Pirat den Schatz finden könnte. Auf dem Grabkreuz waren Runen eingraviert, die unsere geschulten Übermittler mit “Totenkopfinsel” übersetzten. Nach weiterer Suche am Grab bemerkte ein besonders aufmerksamer Wolf (Name dem Autor bekannt), dass das Amulett vom Grab verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Amulett unserer Schiffsärztin hatte. Das Amulett habe die Ärztin von ihrem Vater, der es wiederum von seinem Vater hatte. Wir öffneten es und es war darin dieselbe Geheimschrift wie zuvor versteckt. Diese ergab übersetzt “Totenkopfgrotte”. Wir lösten das Rätsel mit unserem scharfen und wohl auch herzensguten Piratenverstand dahingehend, dass wir uns entschlossen zu besagter Insel, an besagten Ort zu segeln.

Am Abend, nach einer kurzen Repetition der Schiffsregeln, hörten wir uns den zweiten Teil der Piratensaga an. Heute stellte sich heraus, dass Gott Hìdrìco den Hals mit Macht nicht voll genug bekam und deshalb versuchen wollte, sich die Herrschaft über die Weltmeere zu erkämpfen. Er baute sich eine Festung auf und behandelte seine Untertanen mies. Damit er die anderen herrschenden Piratengötter Terra und Atmos besiegen konnte, entschied er sich dazu, Hilfe aus der Untersiegelt zu holen. Er schickte Gregory den Hölzernen, seinen ersten Maaten, auf das Todesschiff (vergleichbar mit der Hölle). Gregory enterte mit seiner Crew das Schiff und steuerte es geradewegs aus der Unterseewelt in Richtung Piratenwelt. Dort war Hìdrìco nun bereit für den Griff nach der Weltherrschaft.

Nach dieser Geschichte ging es ab ins Bett. Da der Wind gut stand, brauchten wir heute nicht einmal wieder zu rudern und die Wölfe erwartete eine ruhige Nacht. Doch bekanntlich folgen auf die meisten ruhigen Nächte stürmische. Wir hoffen, davon verschont zu werden und grüssen euch Landratten zuhause! In diesem Sinne:

Yo-ho-ho und immer ‘ne steife Brise!