Donnerstag 11. Juli 2019 - Ein mysteriöser Diebstahl

Viel schlechter konnte unser Tag heute nicht beginnen. El Grande, unser Ausguck, weckte uns um vier Uhr morgens hastig. Es sei etwas schreckliches passiert und wir müssten im Schweinsgalopp an Deck kommen. Schnell wurde klar, weshalb wir so früh raus mussten: Die Truhe, gestern noch fest verschlossen und nicht zu öffnen, lag sperangelweit und vor allem leer da. Jemand, der wusste, wie die Truhe aufzumachen war, musste sie geplündert haben. Unser Ausguck gestand, während seiner Nachtwache womöglich kurz eingenickt zu sein, weshalb er den Dieb nicht kommen oder gehen sah. Wir waren verständlicherweise am Boden zerstört und auf Rache aus, doch zuerst galt es, den Dieb ausfindig zu machen. Wer war er, wie hat er es angestellt und vor allem wo waren er und unser Gold jetzt?

Wir entschieden erst einmal unsere Energietanks zu füllen und den Z’Morgä zu verzehren. Wieder ins Bett zu gehen war selbstverständlich keine Option. Smutje Jimmy hatte zur Feier der erfolgreichen Schatzsuche gestern extra einen Z’Morgä Deluxe vorbereitet. Es gab Rösti mit und ohne Sauce, Risotto-Tätschli, Chnoblibrot und Joghurt mit Erdbeeren aus der Goldacher Heimat. Das Wahnsinnsmal wurde nun natürlich etwas durch die schlechte Stimmung vermiest. Einige Crewmitglieder raunzten wunderlicherweise sogar, dass sie so früh keinen Kohldampf haben. Glücklicherweise konnte unser Smutje alle davon überzeugen, dass der Morgen den Tag macht und der Z’Morgä damit essenzieller Bestandteil eines guten Tages ist.

Nach dem Z’Morgä fiel uns auf, dass in der Truhe dasselbe Zeichen angebracht war, das auch auf dem Buch der Piratensaga eingraviert war. Als wir deshalb im Buch die letzten Seiten lesen wollten, standen wir mit offenem Mund da: Der Dieb hatte nicht nur den Schatz, sondern auch die letzten Seiten der Geschichte geklaut! Da war wohl allen klar, dass die Lösung des Rätsels in der Piratensaga liegen musste. Vermutungen kreisten durch unsere Crew. Zum Beispiel wurde gemunkelt, dass Gott Hìdrìco zurück sei. Um solchen Verdächten nachzugehen, mussten wir jetzt aber zuallererst die Buchseiten finden.

Als erstes durchsuchten wir das Schiff gründlichst. Überall waren spannende Hinweise zu finden, die uns schliesslich zu einer Seite des Buches führten. Obwohl wir alle unsere Geheimschriftkenntnisse einsetzten, konnten wir kein Wort entziffern. Die Seite musste wohl leer sein und wir waren nicht weiter als vor der Suche. Somit kam sehr schnell schon die zweite Enttäuschung des Tages.

Nach dieser erfolglosen Suche mussten wir wieder bei null starten. Wir suchten dieses Mal rund ums Schiff herum nach Hinweisen. Nach einer ergiebigen Suche schienen uns zwei Seilbahnbilletts als heissester Tipp. Wir eilten zur Talstation, wo uns die nette Frau am Schalter gerne Auskunft gab. Es stellte sich heraus, dass die Billetts von gestern Nacht waren und eine verlorengegangene Seemannsjacke deutete darauf hin, dass Piraten wohl diese Billetts gelöst hatten. Da wir ausserdem eine Quittung aus dem Dorfladen von Y. Däschler gefunden haben, entschieden wir uns dazu, zu diesem Dorfladen zu gehen. Dieser war heute ausnahmsweise geschlossen, doch El Grande kannte den Besitzer glücklicherweise und wir konnte ihn kurzerhand per Telefon erreichen. Y. Däschler erinnerte sich an die Piraten. Sie haben massenhaft Grillgut eingekauft und seien in Richtung Wald gelaufen. Logischerweise rannten wir zu diesem Wald und erkundeten die Grillstelle. Lange suchten wir, doch es sprang dabei nichts heraus bis auf einen Anzündwürfel, der wohl einfach vergessen ging. Erneut tief getroffen schlenderten wir geknickt zur Véronicà zurück. Um uns von den Tiefschlägen zu erholen, rasteten wir ein Stündchen in unseren Kajüten. Dieser Schatz wollte sich einfach nicht finden lassen.

Nach der Rast wurden wir erneut köstlich von unserem Smutje bekocht. Er verzauberte uns mit Lasagne, wie man sie von Mama kennt. Das Essen und die Tiefschläge waren immer noch nicht verdaut, weshalb wir das gute Gefühl mit einem Piratenfilm künstlich hervorriefen. Danach ging’s ab ins Bett und wir hofften darauf, morgen auf einen entscheidenden Hinweis zu stossen.

Doch der Tag war noch nicht vorbei. Mitten in der Nacht weckten uns die weiblichen Crewmitglieder panisch, da alle männlichen und erfahrenen Leiterpiraten inklusive Kapitän verschwunden waren. Wir hatten viele Theorien, die das Verschwinden begründen könnten. Entweder sie waren die Diebe, sie machten sich alleine auf die Suche nach dem Dieb oder sie wurden vielleicht sogar entführt. Wir fanden auf dem Hauptdeck dann eine heisse Spur. Der Kapitänshut mitsamt den verschwundenen Buchseiten lag auf dem Piratenaltar. Wir lasen die Geschichte zu Ende und dieses Ende war schockierend. Der böse Gott Hìdrìco wurde zwar besiegt. Doch statt ihn zu vernichten, entschieden sich die naiven Götter Terra und Atmos dazu, ihm nur seine Göttlichkeit zu entziehen. Diese sperrten sie in eine Truhe, die nur von Göttern geöffnet werden kann. So hatte der ehemalige Gott Hìdrìco die Chance, seine Fehler einzusehen, ein guter Mensch zu werden und sich seine Göttlichkeit zurückzuverdienen. Das schockierende daran war der Name, den Hìdrìco als menschlicher Pirat annahm: Oliver James Tuck - unser Kapitän!

Wir stürmten mit Fackeln los, da unsere männlichen Crewmitglieder ja vielleicht vor Hìdrìco gerettet werden müssen. Wir trafen an einem Felsen auf sie. Die Crewmitglieder waren aber nicht etwa entführt, sondern schienen von Hìdrìco in einen bösen Bann gezogen worden zu sein. Sie kämpften an seiner Seite im rauchigen Fackellicht gegen uns. Wir schlugen uns tapfer und nach einer Weile waren alle bis auf Hìdrìco selbst besiegt. Er war ein harter Gegner, doch wir konnten ihn schlussendlich besiegen und fesseln. Da er immer noch ein Gott und die anderen Crewmitglieder immer noch böse waren, mussten wir auch dieses Problem noch lösen. Wir machten einen Kreis rund um die gefesselten Piraten und Hìdrìco und entzogen ihm in einem Fackelritual die Göttlichkeit. So wurden die anderen Piraten wieder gut und erwachten aus ihrem Bann. Hìdrìco wurde wieder Kapitän Tuck, nur dass er jetzt seine Boshaftigkeit offen zur Schau stellte. Wir entschieden, ihn morgen am Schiffsgericht zu verurteilen und verstauten ihn für die Nacht im Kerkerraum. Das Rätsel war endlich gelöst und wir waren überzeugt:

Gerade hatten wir Wölfe die Welt gerettet!