Freitag 12. Juli 2019 - Endlich Taschen voller Batzen!

Der heutige Tag startete endlich mal wieder ohne Überraschung. Wie erwartet war Hìdrìco immer noch im Kerkerraum gefesselt und wir waren nach dem Z’Morgä bereit, ihn am Schiffsgericht zu verurteilen. Er selbst bekam allerdings keinen warmen Zopf wie wir, sondern musste sich mit hartem Brot und einem Glas Wasser begnügen. Verständlicherweise machte er ein nicht gerade freundliches Gesicht, als ihm ein Wolf das Essen brachte. Wir assen also ohne ihn und richteten das Hauptdeck nachher für’s Gericht ein.

Kläger- und Angeklagtenbank sowie die der Zuschauer und der Geschworenen waren vollbesetzt als wir zuerst über die Anklagen (oder wie wir Wölfe gerne sagen “Anklagigen”) der Besatzung verhandelten. Die Anklagigen reichten von In-den-Teller-furzen über Rummaulen bis zu Schlangenbrot verkohlen lassen. Die Schiffsärztin gab sich Mühe, als Richterin ein faires Urteil zu fällen. Die Strafen waren alle verteilt und mehrheitlich auch akzeptiert, als dann die Hauptverhandlung mit Hìdrìco begann. Er war immer noch überzeugt, dass er kein Unrecht getan hatte. In Hìdrìcos Vorstellung kämpfte er für eine Welt, in der jeder frei sein kann, da Dunkelheit herrscht und Böses getan werden darf. Seine Boshaftigkeit war ihm anzumerken und wir buhten ihn verdientermassen aus. Doch als ihm ein Wolf gerade den Sinn der Liebe und Freude erklärte und ihm weismachte, was er alles falsch getan hatte, wurde Hìdrìco plötzlich still. Tränen rollten über seine Wangen und er gestand ein, dass er eigentlich auch gerne ein guter Mensch bzw. Gott wäre, doch dass ihm das einfach nicht gelingen wollte. Wir versprachen ihm aus Mitleid, dass er auf unsere Hilfe zählen konnte und wollten ihn auf die gute, helle Seite holen.

Dazu gingen wir nach dem Z’Mittag (natürlich nach eingehaltener Sicherheitswartezeit von 2 Stunden) ins Hallenbad. Dort sollte Hìdrìco seine Seele reinwaschen und durch den Spass zum Guten finden. Es funktionierte unglaublich gut und Hìdrìco zog nach dem Baden gleich ein lustiges Goofy-T-Shirt an. Ein klarer Beweis, dass er nun liebevoll und grossherzig sein musste.

Hìdrìco wollte sich bei uns revanchieren und lud uns deshalb zum Festessen auf dem Hauptdeck ein. Ernsthaft, das war mal ein Gaumenschmaus! Zur Vorspeise gab es Zuchettisuppe, die wir Wölfe auch liebten, obwohl Gemüse drin war. Der Hauptgang waren Penne mit dreierlei Saucen und zum Dessert gab es sogar Glacé mit Beeren und Gummibärchen. Wir waren erstaunt über Hìdrìco Kochkünste, die er sich wohl in seinem 3714 Jahre langen Leben angeeignet hatte. Zwischen den Gängen spielten wir lustige Spiele und erlebten sogar eine Tanzperformance. Nach dem letzten Gang, schauten wir mit einer Diashownzurück auf das Abenteuer der letzten Woche.

Als ruhigen Ausklang des Lagers, sassen wir gemeinsam im Kreis und sprachen über die letzten Tage, die Highlights, das Essen und darüber, was man in der Pfad endlich tun kann, obwohl es bei Mami und Papi verboten ist. Zum Schluss erhielt jeder Pirat einen Anteil aus dem Schatz, den Hìdrìco aus der Truhe stahl, als er noch ein böser Gott war und uns jetzt mit seiner neugewonnenen Gutherzigkeit zurückgab. Es waren Edelsteine aus dem Korallenmeer und wir gingen mit je einem Säckchen davon stolz ins Bett.

Morgen ist das Abenteuer mit den Piraten nun schon wieder vorüber und wir müssen nach Hause in den langweiligen Ferienalltag. Doch hoffentlich bleibt uns das Lager noch lange in Erinnerung. Die lustigen Momente am Esstisch, der malerische Ausblick auf der Wanderung, das Auswärtsschlafen, die Duschen mit Löchern in der Wand, das Tarzangerüst im Hallenbad, die Geschichte der drei Götter, der gemeinsame SingSong, die schläfrig-schimmernden Wachskerzen auf Weinflaschen, das Raufen und Sau-raus-lassen und das Zusammensein mit Freunden. Hier auf der Véronicà sind sich alle sicher:

Yo-ho-ho, Piraten haben’s gut!

Ich hoffe, ich konnte euch mit dem Lagerblog etwas Lagerfeeling ins Wohnzimmer zaubern. Ich verstehe, wenn ihr auch gerne einmal mit in ein SoLa kommen würdet. Da dies aber nicht angemessen und unmöglich ist (also zumindest falls ihr erwartungsgemäss schon älter als 11 seid), empfehle ich dir, einfach dein Kind, Enkel, Gotti-/Göttibueb oder was auch immer einfach nächstes Jahr wieder ins Pfadi-Sommerlager anzumelden. So habt ihr immerhin einen legitimen Grund, den Lagerblog zu lesen…

Allzeit Bereit!

Jerry